"Der Dicke macht Spaß"
 
MARKUS MARIA PROFITLICH / Komiker
 

Erst wollte er Hufschmied werden, dann Masseur. Zwanzig Jobs kamen zusammen, ehe der Fernsehstar aus seinem Talent, Menschen zum Lachen zu bringen, einen Beruf machte.

Es ist spät geworden. Markus Maria Profitlich hat den ganzen Tag Interviews gegeben, der Zeitplan ist aus den Fugen geraten. Nach weiteren zehn Minuten des Wartens auf den Komiker öffnet sich endlich die Tür. Da ist er. Grimmig sieht er aus. Eine tiefe Furche auf der Stirn, den Mund zu einer fiesen Schlägerschnute verzogen, die Arme vor dem Körper verschränkt wie ein missmutiger Türsteher. 140 Kilogramm verteilen sich auf 1,90 Meter Körpergröße – eine bedrohliche Statur. Dann tippt der kahlköpfige Riese mit einem Finger auf die Armbanduhr, als habe er die ganze Zeit gewartet. Er hebt anklagend die Augenbrauen und dreht sich wortlos um. Schon ist der 45-Jährige wieder in der Suite des MünchnerNobelhotels verschwunden. Ein Termin mit einem der beliebtesten Comedians Deutschlands? Das kann ja heiter werden.

Drinnen blickt er noch einige Sekunden lang wie ein verärgerter Dobermann drein, bevor sich sein ganzes Gesicht in ein breites Grinsen verwandelt. „Spaß gemacht“, sagt er mit einer erstaunlich sanften Stimme und blinzelt freundlich mit seinen großen blauen Augen. Dann wird sofort geduzt und nicht lange gefackelt. Ob er sich was zu Essen bestellen dürfe? Er müsse schließlich seine Akkus aufladen – sagt's und klopft sich auf seinen beeindruckenden Bauch. Kurz darauf zaubert ihm der Zimmerservice einen saftigen Hamburger mit Pommes. Doch beides wird angebissen kalt, während Markus Maria Profitlich redet. Er wirkt nett und freundlich, beinahe schon fürsorglich – statt professionell distanziert wie andere seines Kalibers.

Nettsein – das ist sein großes Ziel. Profitlich will zu allen nett sein. Denn so war auch sein Vater. „Er war die personifizierte Nächstenliebe“, sagt der Comedian, „er war mein Superheld, und ich wäre gern wie er.“

Doch wahrscheinlich hat sich der Vater erst einmal Sorgen gemacht um seinen Markus. Denn während die drei Töchter als Krankenschwestern selbst Nächstenliebe spenden, findet der Junge nicht so recht seinen Weg. Erst will er Hufschmied werden, dann Masseur. Die Schule liegt ihm nicht. Mit 14 beginnt er zu arbeiten. Macht alles, was sich ihm anbietet. Er fährt Lastwagen und Gabelstapler, arbeitet auf dem Bau, als Waldarbeiter und auf der Schiffswerft. Über 20 Jobs kommen so zusammen. Seine Berufung findet er in keinem von ihnen. Nur eines scheint ihm wirklich Spaß zu machen: Im Sommerurlaub Kinderfreizeiten des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Siegburg bei Bonn zu leiten. Der erste große Auftritt vor einem strengen Publikum: Markus versucht, die Kleinen bei Laune zu halten. Zehn Jahre lang opfert er gern jeden Sommer für die Kinder und Jugendlichen. Mit 29 macht er eine Tischlerlehre, tritt nebenher mit anderen Spaßmachern auf kleineren Bühnen auf, mal auf einer Hochzeit, mal auf einem Geburtstag. Als Cancan tanzende Nonne treibt er dem Publikum die Lachtränen in die Augen. Aber es ist nur ein Hobby. Ein Hobby, das nach und nach immer mehr Zeit verschlingt. Markus Maria Profitlich muss sich entscheiden: Macht er sein Hobby zum Beruf? Er tut es.

Vor allem die Bühne ist dem schwergewichtigen Komiker wichtig. Er ist kein Standup-Comedian, er will nicht allein auf der Bühne stehen und irgendwas erzählen. Sein Metier sind Sketche. Kurze, kleine gespielte Witze. Ein Beispiel ist der Klassiker „Dinner for One“, in dem Butler James beim Geburtstagsdinner die längst verstorbenen Gäste seiner Miss Sophie vertritt und dadurch tüchtig einen über den Durst trinkt. 150-mal steht Profitlich als Butler James auf der Bühne. Eine Paraderolle für den grandiosen Grimassenzieher.

Nie ohne Publikum

Als 1996 das Fernsehen auf ihn aufmerksam wird und ihn für die RTL-Show „Happiness“ engagiert, beginnt ein neuer Abschnitt seines Lebens. Profitlich kommt an bei den Leuten, immer mehr Rollen werden ihm zugetragen. 1999 wird er Ensemblemitglied der „Wochenshow“, durch die Bastian Pastewka und Annette Frier groß geworden sind. Profitlich ist hier ein Chamäleon, er schlüpft in die Rolle von Gandhi und von Baby Markus, er ist Captain Chemnitz und der Erklärbär. Bei der „Wochenshow“ mit Ingolf Lück lernt er Routine und Professionalität, wie er selbst sagt.

Nach zwei Jahren wird dann sein großer Traum wahr: Die eigene Sketch-Show im Fernsehen. Erst war er Ensemblemitglied, jetzt bezeichnet er sich lautstark als die „Rampensau“. „Mensch Markus“ startet 2001 und hält sich konstant. Über drei Millionen Menschen schalten ein, wenn es am Freitagabend losgeht. Profitlich selbst hat die Fäden der Show fest in der Hand, seine Produktionsfirma „mmp productions“ stellt die Sendung her. Im Juli wird bereits die sechste Staffel aufgezeichnet – in den MMC-Studios Köln und vor Publikum. 400 Menschen sind mit dabei, wenn die Fernsehsendung produziert wird. Denn Profitlich will sofort sehen, ob seine Sketche ankommen. Er will die Reaktion des Publikums beobachten, die Lacher hören, statt sie vom Band einzuspielen.

Genau aus diesem Grund wird er auch die Fernsehkarriere nicht zu seinem einzigen Lebensinhalt machen. Seit 18 Jahren steht er regelmäßig auf der Bühne. Allein im März tourte er mit seinem siebten Bühnenprogramm durch 15 Städte von Mönchengladbach bis Flensburg, von Kiel bis Rostock. Die Hälfte der Vorstellungen war restlos ausverkauft. Profitlich will den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept seiner Karriere.

2002 kürt man ihn zum Besten Deutschen Comedian, 2004 erhält er den Deutschen Comedy Preis für die „Beste Sketch-Show“. „Das, was ich mache, ist das, was ich kann. Ich bin Komiker“, sagt Profitlich ruhig und ernst. Beinahe schon nebenher hat er auch zwei Schritte in Richtung Filmkarriere gemacht: Im vergangenen Dezember kam der computeranimierte Blockbuster „Die Unglaublichen“ in die Kinos, Profitlich hat die Hauptrolle des Superhelden „Mr. Incredible“ gesprochen. Fünf Tage lang im Synchronstudio, zehn bis zwölf Stunden, hoch konzentriert. 40-mal hintereinander zischt er das Wörtchen „Showtime“, bis der Regisseur zufrieden ist. Profitlich hat Spaß daran. Er liebt Trickfilme, vor allem „Das Dschungelbuch“. Der Disney-Klassiker war der erste Film, den der kleine Markus zusammen mit seinem Vater in den sechziger Jahren im Kino sehen durfte. Seither sieht er die Geschichte vom kleinen Jungen Mowgli jedes Jahr mindestens ein Mal – und singt und spricht die Lieder und Dialoge auswendig mit.

Etwas ernster ist der zweite Schritt ins Kinofach: In Til Schweigers „Barfuß“ spielt Profitlich neben Axel Stein einen ausgebufften Autoverkäufer. Kinofilme, ausverkaufte Auftritte, gute Einschaltquoten – fast zu schön, um wahr zu sein. „Ich schwebe momentan auf Wolke sieben“, seufzt Profitlich und blickt zur Decke.

Glauben macht stark

Was ihn am Boden hält, ist seine Familie – und sein Glaube. Denn der 45-Jährige ist nicht rund um die Uhr ein Spaßmacher, sondern durchaus ein ernster und ernst zu nehmender Mensch. In zweiter Ehe ist er mit der deutschstämmigen Amerikanerin Ingrid Einfeldt verheiratet. Die Flitterwochen durch die USA waren der erste Urlaub für ihn nach 13 Jahren Maloche. Ingrid ist nicht nur seine Lebenspartnerin – die Schauspielerin steht ihm auch in seinen Sketchen zur Seite, ist maßgeblich an seiner Produktionsfirma beteiligt und nicht zuletzt die Mutter seiner siebenjährigen Tochter. Über die Kleine spricht Profitlich fast nie – er will sie schützen. Es reiche, wenn die Eltern ständig in der Öffentlichkeit stünden, erklärt er mit einem entschuldigenden Blick aus babyblauen Augen.

Seine Frau hat er bei Auftritten auf der Bühne kennen gelernt, mit ihr zusammen in einem Musical gespielt. Sie hat sein Leben verändert. Mit 37 Jahren ist Markus Maria Profitlich durch Ingrid zum Glauben gekommen. Er ist zwar katholisch aufgewachsen in einem Dorf, aber eher freigeistig erzogen worden. Seine Frau machte ihn zum aktiven Christen. Sonntags gehen sie in die Freie Evangelische Gemeinde, mittwochs in eine private Bibelgesprächsgruppe. Er nimmt sich vor, jeden Morgen mit seiner Frau in einem Bibelbuch zu lesen. Doch der Alltag lässt das nicht oft zu. „Ich finde im Glauben Antworten auf alles, auf mein komplettes Leben“, sagt der Comedian leise. Auch vor Entscheidungen in der Produktionsfirma wird gebetet.

Gott und Witze, das verträgt sich allerdings nicht immer. Markus Maria Profitlich weiß das nur zu gut. „Da sind ein paar Sachen, die sind grenzwertig. Ich bewege mich gern auf der Gürtellinie, aber nicht darunter.“ Seine Sketche erklärt er als „von ganz lieb bis hart an die Grenze“. Ein bisschen böse muss sein Spaß schon sein, schließlich liebt Profitlich den englischen, als schwarz bekannten Humor. Als Vorbilder nennt er immer wieder Benny Hill und Mr. Bean. Aber er ist anders. Profitlich schneidet Grimassen und spielt sowohl das tölpelhafte Riesenbaby als auch den gewieften Gauner überaus glaubhaft. Er setzt auf perfektes Timing und greift gerne mal auf Pantomime zurück, anstatt zu viel zu sagen. Wer ihn für oberflächlich hält, tut ihm unrecht. Denn er sieht sein Talent, Menschen zum Lachen zu bringen, als wahre Gottesgabe. Er ist der Sohn einer Krankenschwester. Und während seine Schwestern den Beruf ihrer Mutter übernommen haben, will auch Markus Maria Profitlich Menschen helfen – indem er sie zum Lachen bringt. Denn auch Lachen, so weiß er, ist gesund.

© Rheinischer Merkur Nr. 19, 12.05.2005